Transparenz versus Datensicherheit: So vermeiden Sie riskantes Verhalten in den sozialen Medien

cki: Herr Weidner, Sie sind nicht nur Spezialist für das Publizieren im Internet, sondern auch für die Fallstricke in Sachen Datensicherheit. In Ihrem Blog schreiben Sie: „Offen sein, aber nicht transparent. Was meinen Sie damit genau?

Weidner: Strukturbedingt neigen wir in sozialen Netzwerken dazu, viele Details über uns preiszugeben. So z. B. Angaben, bei welcher Firma und in welcher Position wir arbeiten. Dies tun viele nicht nur auf Facebook, sondern auch und gerade auf XING. Diese Informationen sind Anknüpfungspunkte für den Austausch. Denn wir mögen es, uns unter Gleichen zu tummeln.

Achim Weidner, Medialab-Internetagentur Rüsselsheim

Achim Weidner, Medialab-Internetagentur Rüsselsheim

Viele Nutzer dieser Plattformen offenbaren unbewusst sensible Informationen. Diese beinhalten neben persönlichen Daten oft auch Angaben zum Arbeitgeber und der Funktion im Unternehmen. Je spezialisierter ein Unternehmen ist, desto wahrscheinlicher wird es zum Angriffsziel staatlich gelenkter Wirtschaftsspionage oder der Ausforschung durch Mitbewerber. Sie nutzen diese frei zugänglichen Kanäle in den sozialen Netzwerken, um sich Informationen zu beschaffen.

Mein Hinweis, „offen zu sein“, geht von der Realität aus, dass wir nicht mehr hinter die die Zeit vor Social Media zurück können. Aber es ist ein Hinweis, die Ambivalenz dieser Kommunikationskanäle nicht zu vergessen.

cki: Was sind nach Ihrer Beobachtung die häufigsten Fehler, die Unternehmen beim Umgang mit Informationen im Internet machen?

Weidner: Einerseits die oben bezeichnete Freizügigkeit einzelner Mitarbeiter, die sich in der Regel nicht über den Informationsgehalt ihrer Mitteilungen in sozialen Netzwerken bewusst sind. Andererseits die oft übertriebene Transparenz der betrieblichen Organisation im Netz bis in die kleinsten Verästelungen.

In der Gesamtschau, also der Profilauswertung einzelner Mitarbeiter, verbunden mit der Analyse der Webpublikationen, wird ein Unternehmen so transparent, dass der Angreifer sich das schwächste Glied heraussuchen kann, um seine Ausspähung zu starten. Geeignete Analysetools sind auf dem Markt vorhanden.

cki: Woran liegt es, dass Unternehmen oft zu unbesorgt mit Informationen im Netz umgehen?

Weidner: Fehlendes Bewsstsein über die Gefahren und Angriffsmethodik der Wirtschaftsspionage und der auf Informationsabschöpfung spezialisierten Unternehmen. Nicht jede abgeschöpfte Information ist auch strafbar. Das ist eine Grauzone!

cki: Kennen Sie Beispiele, wo Unternehmen durch zu viel Transparenz wirtschaftlichen Schaden erlitten haben?

Weidner: Ja, aber wegen des Vertrauensverhältnisses und möglicher Reputationsschäden nennt man dann keine Namen. Im Großen sind bekannt geworden Angriffe z. B. gegen Airbus oder einen deutschen Windturbinenhersteller, dessen Produkte in den USA aufgetaucht sind. Da hierfür die Landesämter für den Verfassungsschutz zuständig sind, erfährt man auf Fachtagungen anonymisierte Beispiele. Und es sind in unserer mittelständisch geprägten Unternehmenslandschaft viele KMU`s, die im Fadenkreuz stehen.

cki: Je stärker sich die sozialen Medien und damit auch die Grundhaltung des Teilens, die „Shareconomy“ etablieren, desto höher sind die Erwartungen an Unternehmen. Wer mit Informationen sparsam umgeht, kommt nicht so gut an. Wie lässt sich dieses Dilemma lösen?

Weidner: Es kommt auf die Information im Konkreten an. Ein gutes Beispiel ist Bahn.de. Da gibt es Informationen zum Produkt, nämlich zum Fahrplan, zu Verspätungen oder Buchungen. Das gilt auch für den Facebook und Twitter-Account. Weitere gute Beispiele sind die Websits der Autofirmen, die sich im Grunde nur um das Produkt drehen, aber keine technischen Details aus der Entwicklung nennen oder zu tief in die Organisation des Unternehmens blicken lassen.

cki: Muss also bei der Marketingstrategie praktisch immer ein Datenschützer mit im Boot sitzen?

Weidner: Nein, das Aufgabenfeld der Datenschützer ist der Schutz „personenbezogener Daten“ im Sinne des BDSG. Hier geht es um den Schutz von Geschäftsgeheimnissen. Dazu gehören sicherlich die Abschirmung besonders sensibler personenbezogener Daten, wie die Rolle in der Hierarchie eines Unternehmens, aber auch der Schutz vor ungerechtfertigter Einsichtnahme in Geschäftsprozesse und Organisationsstrukturen von Unternehmen.

Ich denke nicht, dass man die Marketingorganisation jetzt um die Position eines „Wirtschaftsschutzspezialisten“ aufblähen muss. Es geht um die Sensibilisierung der Mitarbeiter, die neben Kenntnissen des Datenschutzes auch ein Gespür für den  Unternehmensschutz entwickeln müssen.

cki: Herr Weidner, vielen Dank für das Interview!

Wichtig für den Mittelstand

  • Nehmen Sie die Risiken zu großer Transparenz im Internet – ob auf der eigenen Webseite oder in den sozialen Medien – ernst, aber lassen Sie sich dadurch nicht von einer vernünftigen Online-Kommunikation abhalten. Letztere wird immer stärker von den Unternehmen erwartet. Wer sich komplett abschottet, tut sich keinen Gefallen.
  • Informieren Sie sich über die Gefahren der Wirtschaftsspionage sowie die Möglichkeiten der legalen Wettbewerbsbeobachtung (Stichwort „Competitive Intelligence“), insbesondere über die Nutzung frei zugänglicher Daten aus dem Internet.
  • Sensibilisieren Sie Ihre Mitarbeiter für diese Risiken. Erarbeiten Sie Guidelines zur Online-Kommunikation und insbesondere zur Kommunikation in den sozialen Medien. Lassen Sie sich dazu gegebenenfalls von Experten beraten.
  • Download-Tipp: Ein umassendes Dossier rund um Datenschutz, Privatsphärenschutz und Unternehmenssicherheit, zusammengestellt vom Fraunhofer-Institut.

Achim Weidner

Achim Weidner ist Inhaber der Medialab Internet Agentur e. K. Rüsselsheim. Er ist spezialisiert auf Datenschutz und Datensicherheit im Internet sowie in den sozialen Medien.

© Dr. Sabine Holicki, cki.kommunikationsmanagement, 2013

2 Kommentare

  1. 19. Oktober 2013    

    Klasse Beitrag, vor allem durch die konkreten Beispiel!

    Und kurzer Hinweis: Der dcif hat auf seiner Seite eine kostenlosen Leitfaden veröffentlicht, der hierzu auch die ein oder andere Information gibt.

    Gruß
    Marko Willnecker

    • admin
      21. Oktober 2013    

      Danke für den Hinweis! Für alle, die den dcif nicht kennen: Das Deutsche Competitive Intelligence Forum (dcif) ist ein Zusammenschluss von Markt- und Wettbewerbsforschern aus dem deutschsprachigen Raum, die sich mit der systematischen, legalen Informationsbeschaffung als öffentlich zugänglichen Quellen sowie deren strategischer Analyse und Aufbereitung beschäftigen.

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